Data-Driven Publishing: Dein iPad liest dich

Digitales Publizieren (eBooks/iPad)

Die NSA, der britische Geheimdienst, der deutsche Staat und jetzt auch noch dein iPad. Sie alle zeichnen auf, was du machst, wie du lebst, was du liest.

In diesem Artikel geht es um Data-Driven Publishing – einen wichtigen Trend, dem sich (noch) kaum ein Autor oder Verbraucher bewusst ist.

Ziel des Data-Driven Publishings („datengetriebenes Veröffentlichen“) ist es, Tendenzen und Vorlieben der Leser zu erkennen, um davon zu profitieren. Einerseits werden Leserdaten aufgezeichnet (immer dann, wenn der Nutzer/Leser online ist oder auf dem iPad etwas tut). Andererseits werden die Daten weiterverarbeitet und für das Schreiben von eBooks und die Veröffentlichung genutzt. Doch wie funktioniert das Ganze?

Wie werden Daten erhoben?

Mit welchen Schlagworten wird ein Buch gefunden? Ab der wievielten Seite brechen Leser ein eBook ab? Wie lange brauchen 50-Jährige zum Lesen eines Kapitels? Und wie unterscheidet sich das Verhalten von Lesern eines Liebesromans von dem eines Science-Fiction-Fans?

Ein Tablet-PC wie das iPad oder ein eBook-Reader á la Kindle zeichnet von Haus aus das Verhalten der Nutzer auf und übermittelt die Daten an Apple bzw. Amazon. Diese wiederum nutzen das gesammelte Wissen für die eigenen (Online-)Geschäfte und vertreiben die Daten an Verlage und andere Unternehmen.

Ebenso speichern Programme und Buch-Apps massig Daten über das Nutzerverhalten. Auch aus Verkäufen über Online-Shops, Besucherzahlen, Suchanfragen etc. können Unternehmen auf die Vorlieben der Leser schließen.

Vor allem die Betreiber von geschlossenen Online-Ökosystemen (soziale Netzwerke) wie Goodreads oder Facebook, in die sich der Nutzer einloggen muss, kennen einfach jeden und alles.

Eine kaum ausgereifte Datenerhebungsmethode ist das direkte Einbinden von Skripten in das eBook. Diese Skripte funktionieren ähnlich wie Tracking-Codes, die in den Header-Bereich einer Website eingebunden werden, um Besucherverhalten zu messen. Im Idealfall könnte jeder Autor seinen eigenen Tracking-Code in das eBook einbinden und dadurch umfangreiche Statistiken erhalten. Dazu mehr in einem der folgenden Artikel bei Onlinewerk.info! (Stichwort: Hiptype)

Wer profitiert von Data-Driven Publishing?

Durch die erhobenen Daten lassen sich umfassende Leserprofile erstellen. Anhand derer können Unternehmen maßgeschneiderte, personalisierte Dienste liefern. So erstellt Amazon beispielsweise eine Rangliste mit Textabschnitten, die von den Kindle-Lesern am häufigsten hervorgehoben wurden.

Bislang profitieren vor allem große Unternehmen von den Nutzerdaten, da kleinere Unternehmen und Verlage kaum ausreichend Daten aggregieren und sinnvoll verarbeiten können. Entwicklungen beim Data-Driven Publishing deuten aber darauf hin, dass zukünftig auch kleinere Unternehmen mehr Profit aus Nutzerdaten ziehen können (Open Data, Öffnung der Plattformen durch Schnittstellen, neue technische Möglichkeiten zur Datenerhebung).

Besonders bedeutsam ist das Schalten relevanter Werbung. Passgenaue Angebote und Produktvorschläge versprechen höhere Umsätze für Plattform-Betreiber, Verlage und Autoren.

Welcher Buchtitel spricht die Zielgruppe an? Welcher Preis und was für ein Cover sind attraktiv? Nach wie vielen Seiten braucht der Leser eine Pause? Und welche interaktiven Elemente nutzt die Leserschaft?

Bislang konnten Autoren kaum mehr als Verkaufszahlen einsehen. Mithilfe von Data-Driven Publishing können Autoren Leser und potenzielle Käufer besser verstehen und ihnen geben, was sie wirklich wollen.

Konkret heißt das, dass sich der Autor beim Schreiben an den Vorlieben der Zielgruppe orientieren kann, die sich aus den gesammelten Daten erschließen lassen. Der Autor muss sich bemühen, seine Kreativität mit wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang bringen, wenn er auf dem wachsenden eBook-Markt bestehen will.

In Zukunft werden sich besonders die Bücher gut verkaufen, die den Lesern genau das geben, was sie brauchen:

Texte, die weder zu lang noch zu kurz sind. Kapitel und Absätze, die idealerweise dann zu Ende sind, wenn der Leser eine Pause braucht. Typografie, die optimal lesbar ist. Inhalte, die den Leser begeistern. Worte, Multimedia und interaktive Elemente, die perfekt zusammenspielen. Community-Unterstützung und vieles mehr versprechen ein gesteigertes Leseerlebnis.

Der Preis dafür: die Preisgabe unseres Leseverhaltens.

 

 

Das Lesen auf Bildschirmen wird immer beliebter. Verschiedene Studien belegen das genauso wie das zunehmende Angebot an eBooks. Deshalb haben Dominik Sauer, Daniel Hense und ich das Team “eLibro” ins Leben gerufen und uns mit dem Thema “Digitales Publizieren” befasst. Dieser Artikel wurde bereits bei onlinewerk.info veröffentlicht.

Bildquelle: wilbertbaan / flickr.com

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