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Ein ganz normaler Arbeitstag im Trust Center

ikhaya Trust Center in Stellenbosch

Um 8:30 Uhr komme ich im ikhaya Trust Center an. Zu ihm zählen zusätzlich zum Crèche (Kindergarten), der Pre-school (Vorschule) und dem Aftercare (Übernachmittagsunterricht) zwei NGOs.  Ich werde jeden Morgen mit einem freundlichen ” Morning Sophie, how are you?” von den Trustis (alle die hier arbeiten) begrüßt. Eben so in meiner Crèche-Klasse, in der dann zwanzig 4-5 Jährige und teacher Zanele auf mich warten. Für die Kinder bin ich “sister” oder “teacher” und sie kommen fröhlich auf mich zugerannt und umarmen mich. Richtig süß!

Nach dem Frühstück geh ich mit ihnen Zähneputzen, daran haben sie Spaß und freuen sich, dass es jemand mit ihnen macht. Viele der Kinder haben schlecht gepflegte faulige Zähne. Der darauf folgende Unterricht besteht zurzeit hauptsächlich daraus, dass wir einen Sketch, einen Chicken-dance und einen Aufsatz über “All about myself” für die Einschulungsfeier im November einüben.

Die kleine Theateraufführung hat sich Zanele ausgedacht und ich habe ihnen dafür Tiermasken gebastelt, sie waren fasziniert und haben sich sehr gefreut! Die Kleinen haben so viel Spaß am Sketch, dass sie den englischen Text auch mal so zwischendurch vor sich hin sagen. Sie sind sowieso sehr aufgeweckt und wollen sich die ganze Zeit bewegen, singen und laut sein. Deshalb wäre es auch kein Problem für sie, den Chicken-dance zehn mal hintereinander zu tanzen. Wenn sie “All about myself” vortragen sollen, müssen sie sich im Schneidersitz hinsetzen und die Hände in den Schoß legen und ganz ruhig sein. Dann darf der erste nach vorne treten und beginnen. Sobald er nicht mehr weiter weiß, muss er sich setzen. Sagt er den Text über sich fehlerfrei auf, bekommt er eine Umarmung von der Lehrerin und alle freuen sich mit ihm.

ikhaya Trust Center

Ausflug ins Aquarium in Kapstadt

Außerdem singen wir zwischendurch viele Gedichte und Lieder und machen dazu eingeübte Bewegungen. Musikalisch haben sie so jung schon unfassbar viel drauf! Viele dieser Lieder sind auf Xhosa. Jedoch versuchen Zanele und die Kinder mir mit viel Bemühen die Texte mit den Klicklauten beizubringen und können ihr Lachen dabei nicht verkneifen. Aber mit der Zeit wird es…!

Ab und zu gehen wir in den “literacy room”. Das ist ein neuer gemütlicher kleiner Raum voller Buchstaben und Geschichten, in dem sie im Moment die englischen Buchstaben lernen und Geschichten auf Englisch mit Xhosa-Übersetzung vorgelesen bekommen.
So süß die Kleinen auch sind, können sie manchmal auch ganz schöne “Teufelchen” sein. Besonders zu merken bekommen habe ich das am Anfang, als Zanele zwischendurch rausgegangen ist oder vorletzte Woche, als sie zwei Tage krank war.  Denn je mehr Diziplin im Klassenraum mit Lehrerin herrscht (erst nach einem “Teacher, may I go out?” gehen sie zur Toilette, beim Essen sitzen sie mucksmäuschenstill an ihrem Platz, im Unterricht melden sie sich, bevor sie etwas sagen), desto mehr Unordnung gibt es, wenn sie den Raum verlässt. Dann geht die Party ab: Sie verwüsten den Raum in kürzester Zeit, rennen herum, schlagen sich und brüllen rum wie sonst was. Und die ersten Tränen fließen auch schon.

Leider sind die Kinder aus meiner Klasse noch sehr am Anfang ihrer Englischkenntnisse und verstehen deshalb nur wenig Englisch. Wieso sollten sie dann auch auf jemanden hören, der gerade mal seit ein paar Wochen ihre neue Lehrerin ist, ihrer Kultur so fremd zu sein scheint und nicht mal ihre Sprache spricht? Dann lieber gar nicht zuhören, das nachplappern, was ich gerade gesagt habe und wenn sie Wortfetzen verstehen, machen sie gerne das Gegenteil und strecken mir dabei womöglich noch die Zunge raus. Ganz schön frech, die Kleinen! Aber ich bin auf dem Weg, den Dreh rauszubekommen. Denn zumindest weiß ich jetzt, dass durchgehende Beschäftigung hilft und ich bin mir sicher, ich werde mit der Zeit noch dazulernen.

Sophie im ikhaya Trust Center

Zwischendurch ist eine kleine Snackpause und um 12:30 Uhr gibt’s MIttagessen.
Ab 13 Uhr trudeln die Schulkinder nach und nach ein und wir wechseln uns unter den Freiwilligen mit der Essensausagabe ab. Um 14:30 Uhr beginnt dann der aftercare. Dabei sind die Kinder aus verschiedenen Schulen der Klassenstufen nach in aftercare-Klassen eingeteilt. Ich bin in teacher Nomatschwaos Klasse. Die erste halbe Stunde liest sie oder ich den 2.-3. Klässlern eine Geschichte vor. Danach machen sie Hausaufgaben oder Aufgaben von der Lehrerin. Ich wechsle zwischen den Tischen hin und her, um ihnen zu helfen. Im Gegensatz zum Kindergarten, können sie größtenteils Englisch sprechen. Das macht etwas zu erklären oder mit ihnen zu quatschen viel einfacher.
Gegen 16:30 Uhr ist der Unterricht vorbei und wir verabschieden uns mit einem “See you tomorrow!”.

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