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Abschied als Sotho mit dem Namen „Vusumusi“, ehemalige Freiwillige zu Besuch und Fahrt zum Seminar – der Februar

Fr. 1. Feb. Tag 132

Gegen 9 Uhr fuhren Moses, Nopakamisa, eine alte Frau, die glaube ich zur Familie gehört, und ich zu einer Highschool, die ein paar Kilometer weit weg von Mangoloaneng liegt. Dort traf ich auf Lunga. Wir machten aus, dass ich das Wochenende bei ihm verbringe und wendeten uns den Rest des Tages den Sportspielen zu, denn an dieser Highschool und an diesem Tag traten die Athleten der verschiedenen Schulen der Umgebung gegen einander an.

An diesem Tag bestand meine Arbeit aus: Regenschirm halten, auf einen Stempel aufpassen und die Verwaltung der Akten unserer Schülerinnen und Schüler.

Am Ende der Sportveranstaltung hatten alle Lehrer der Schulen noch ein wichtiges Treffen auf dem Sportplatz, der übrigens ein echter Sportplatz ist und nicht mit den „Grounds“ der Schule zu vergleichen ist. Das Treffen verfolgte ich halbwegs, bis Moses kam und mich zu seinem Haus nahm, damit ich meine Tasche bei ihm für das Wochenende packen konnte. Als ich dann alles gepackt hatte, kam auch schon Lunga und nach einem Umweg durch die Stadt von Mount Flecher, fuhren wir zu ihm nach Hause.P1030649
Er lebt in einem sehr schönen Haus mit einer noch schöneren Landschaft darum herum.
Die Toilette von ihm unterscheidet sich kaum zu denen die mit Wasser laufen, nur, dass halt ein unendlich tiefes Loch darunter ist. Aber sonst vom Format sitzt man da wie auf einer normalen Toilette. Ganz bequem eigentlich!
In meinem Zimmer hatte ich einen eigenen Fernseher und Strom gab es somit auch die ganze Zeit. Schon beinahe Luxus!

Sa. 2. Feb. Tag 133

Gegen 12 Uhr haben wir uns auf dem Weg in die Stadt Mathatia gemacht, die etwa 70 km von Mount Flecher entfernt ist. Dort waren wir einkaufen, Lungas Sohn hat einen neuen Haarschnitt bekommen und wir haben uns einen Eisbecher bei KFC gegönnt.
Danach ging es zück zu Lungas Haus. Nachdem wir eine Kleinigkeit gegessen hatten, sind Lunga, sein Sohn und ich den Pfarrer der örtlichen Kirche besuchen gegangen.

Die Kirche, die vielleicht 500 Meter Luftlinie von Lungas Haus entfernt ist

Die Kirche, die vielleicht 500 Meter Luftlinie von Lungas Haus entfernt ist

Abends schauten wir uns beim Abendessen das Spiel Südafrika gegen Mali an. Das Spiel ging zu Ungunsten Südafrikas aus, nachdem Mali das Elfmeterschießen gewann.

So. 3. Feb. Tag 134

Gegen Viertel vor 11 machten Lunga und ich uns auf den Weg zur Kirche. Dort wurde ich, nachdem ein paar Lieder auf Zulu, Xhosa oder Sotho gesungen und ein paar Verse gesagt worden sind, herzlichst von der Gemeinde begrüßt und aufgenommen. Dann kamen alle Anwesenden nach vorne und reichten mir die Hand. Einer nach dem anderen stellte sich nach dem Händeschütteln zu meiner Rechten auf. Sodass die Nachfolgenden auch deren Hände schüttelten.

Die Praxis

Gegen 12 Uhr waren dann alle Hände geschüttelt und der Gottesdienst vorbei.
Nach der Kirche besichtigten Lunga und ich die Klinik des Ortes zusammen mit der Gründerin der Praxis.

Später am Tag besuchten Lunga und ich noch einen „Referent“.
Auf dem Weg zu ihm stürmte es unglaublich stark. Es hagelte sogar!
Beim Referent unterhielten wir uns, tranken Tee/ Kaffee, aßen Kekse und der Gastgeber bohrte sich gelegentlich in der Nase…

Gegen kurz nach 7 erst, waren wir wieder zuhause aßen etwas und gingen früh zu Bett.

Mo. 4. Feb. Tag 135

Um halb 5 Uhr morgens stand ich auf und Lunga schon um 4 Uhr. Wir machten uns fertig, frühstückten etwas und fuhren um halb 7 zur Schule.
Es war ein anstrengender Tag. Ich unterrichtete 3 Stunden Mathe in den Klassen 7,8 und 9 und gab dann noch 3 Stunden am Stück Informatik Unterricht in der Klasse 9.
Nachmittags waren Moses und ich nur einmal in einem kleinem „Laden“, wo man aber eher zu wohnen als einzukaufen scheint.

Di. 5 Feb. Tag 136

Die Klinik von Mangoloaneng

Die Klinik von Mangoloaneng

In der ersten Stunde Mathe in der 9. Klasse unterrichtet. Dann eine Stunde Pause gehabt und danach 4 Stunden Informatik in der 8. Klasse unterrichtet.
Am Nachmittags zeigten mir Moses und Nophakamisa die Klinik von Mangoloaneng. Ist zwar nicht groß, aber es ist schön eingerichtet und die Schwestern waren auch sehr nett!

Mi. 6. Feb. Tag 137

Der Morgen begann mit der schlechten Nachricht, dass jemand in der Nacht umgebracht worden sei. Es handelte sich dabei um die alte Frau, die ich mit Moses 2 Tage zuvor in ihrem Laden kennen gelernt habe und ihren Enkel, der in Mangoloaneng in die erste Klasse zur Schule geht (7 Jahre alt, habe ich gehört). Sie lebten gerade mal 400 Meter Luftlinie von Moses` Haus entfernt.
Der Schultag war nicht weiter aufregend, da der Generator kaputt war und ich somit kein Informatik unterrichten konnte.
Wegen des Mordes wurde in der ersten Stunde ein Treffen von uns Lehrern gehalten. Danach bin ich mit ein paar Kollegen zu dem Haus des Unglücks gefahren und haben den Verbliebenen unser Beileid ausgesprochen.
Den Rest des Tages gab es nur noch Treffen Treffen Treffen…
Nachmittags sind Moses und ich seine Tante besuchen gegangen.

Do. 7. Feb. Tag 138

Der Generator war immer noch kaputt, obwohl jemand kam um ihn zu reparieren.
So unterrichtete ich nur Mathe an dem Tag.

Fr. 8. Feb. Tag 139

Ich habe morgens die 7. Klasse bis 10 Uhr in Informatik unterrichtet, da der Generator wieder ging. Dann sollte ich eigentlich in die Halle gehen, aber es war wohl noch nicht an der Zeit… Gegen 11 Uhr durfte ich dann und sah dann eine Tafel vor mir mit gemalten Männchen mit den Worten „Bye Bye Chris“.
P1030815

Darauf folgte meine Farewell (Abschieds-) Party, da ich schon am nächsten Montag zurück nach Richmond fahren würde. Die Schüler tanzten und sangen viel. Ich habe Reden von den SGB (School Governing Body), dem Direktor, Lunga, einem Rollstuhlfahrer und nach meiner Danksagung auch eine des Chiefs (so etwas wie das Oberhaupt) der ortsangehörigen Gemeinschaft vernommen. Ich wurde zum Höhepunkt der Party in den Reihen der Sothos aufgenommen, was eine große Ehre ist und sie gaben mir den Namen „Vusumusi“. Das bedeutet so etwas wie „lässt die Heimat wachsen“.P1030860 Als ich dann mit Decke und Hut gekleidet war sollte ich mich dann draußen auf ein Pferd setzten.
Ich bin dann unter der Begleitung, Aufsicht und Führung Lungas eine Runde geritten. P1030910Das Pferd gehört dem Rollstuhlfahrer, der an dem Tag da war und auch eine Rede gehalten hatte.
Als ich dann noch ein paar Bilder mit ein paar Schülern gemacht habe sind wir dann auch zurück nach Hause gelaufen. Ich war natürlich gut gelaunt wie eh und je, da mir solch eine Ehre zu Teil geworden ist!
Wir holten an dem Tag noch Wasser von der Quelle, wo mir von ein paar Einheimischen gesagt wurde, dass ich dort arbeiten würde, als wäre ich dort geboren!
Bei der Wasserquelle, haben „Cowboys“ versucht eine Kuh nach Hause zu bringen, die hat sich aber vehement gewehrt und sogar die Pferde angegriffen auf denen die Herrschaften saßen. Sie waren immer noch beschäftigt, als Moses und ich fertig mit dem Wasser waren und zurück nach Hause fuhren. Nachdem wir dann das Wasser nach Hause gebracht haben, sind wir in den Laden von der Frau eines Lehrers gegangen um Dosenfisch zu kaufen. Auf dem Weg dorthin waren die Cowboys immer noch mit der störrischen Kuh beschäftigt.
Beim Laden, hat mir die Frau angeboten mir ein Huhn zu schenken und ich habe mich dafür bedankt. Sie würde es am nächsten Tag vorbei bringen.

Sa. 9. Feb. Tag 140

P1030939Morgens wurde das Hühnchen von der Tochter der Ladenbesitzerin bzw. des Lehrers vorbei gebracht. Nophakamisa fragte mich daraufhin, ob ich das Hühnchen mit nach Richmond bringen wolle, oder ob es dort geschlachtet werden sollte. Da ich keine Lust hatte auf der Taxifahrt zurück ständig ein Huhn auf dem Schoß zu haben, entschied ich mich dazu es dort zu lassen. Und so schlachtete Nophakamisa das arme Huhn. Ich habe Fotos gemacht… schöne Fotos… schöne rote Fotos… wollt ihr nicht sehen!
Wie dem auch sei. Abends haben wir das Huhn dann mit selbst gemachtem Brot gegessen. Die Leber hat mir nicht geschmeckt, deshalb habe ich es Nophakamisa gegeben. Der Magen und das Fleisch hingegen waren sehr gut.

So. 10. Feb. Tag 141

Wir sind gegen 9 Uhr morgens los gefahren, waren kurz einkaufen und sind dann zum Gottesdienst gefahren, der um 11 Uhr begann. Um 15:30 Uhr war der Gottesdienst und die angeschlossene Diskussionsrunde vorbei und wir fuhren zurück zu Moses. So war es 16:30 Uhr als wir dann wieder zurück waren und wieder Huhn, Spinat und Brot aßen. Abends war dann noch das Finale der Afcon zwischen Nigeria und Kenya, welches Nigeria 1:0 für sich entschied.

Mo. 11. Feb. Tag 142

Nachdem ich gefrühstückt, die letzten Sachen gepackt und mich ein letztes Mal umgesehen hatte, fuhr ich mit Moses zur Schule, von wo aus mich der Prinzipal nach Mathatia zum Taxi bringen sollte.
In Mathatia suchten und fanden wir mein Taxi. Wir erklärten ihnen meinen extra Wunsch in Richmond bei Eskom raus gelassen zu werden (das glücklicherweise auf dem Weg liegt) und dann ging es nach etwa einer Stunde warten los. Ich kam um etwa 15:20 Uhr am Projekt an, wo ich herzlich empfangen worden bin. Ich hatte viel zu viel zu erzählen und genoss gegen 4 Uhr erst mal eine schöne Dusche, die ich für 2 Wochen vermissen musste, da ich mich in dem Zeitraum nur in einer kleinen Wanne waschen konnte.
Nach der Dusche erfuhr ich ein paar Neuigkeiten.
Die Arbeitszeiten haben sich dahin gehend verändert, dass die zweite Pause weg gefallen ist. Das bedeutet folglich, dass wir die Kinder ab 7 Uhr baden, anziehen und dann füttern. Um 10 Uhr bringen wir sie dann zurück ins Bett, bevor wir sie dann um 12 Uhr wieder wickeln und danach füttern. Dann gehen wir mit ihnen von 1 bis 2 Uhr ins Office, um den Kindern Malen, Zahlen oder Farben bei zu bringen. Um 16 Uhr gibt es dann Abendessen, bevor wir sie um 6 Uhr abends zurück in die Betten schicken.
Auch neu war, dass das schwer kranke Kind nicht mehr da war… Er ist wohl 3 Stunden zuvor gegen 12:30 Uhr von einer speziellen Klinik abgeholt worden, die sich täglich um Sonderfälle wie ihn kümmert. Das bedeutet eine große Entlastung für das Projekt, weil der Kleine immer besondere Aufmerksamkeit und Verpflegung brauchte!
Den Rest des Tages labte ich mich nach 2 Wochen auch endlich mal wieder am Internet. Ich ging relativ früh zu Bett und genoss es wieder zurück in meinem zweiten zu Hause zu sein.

Mi. 13. Feb. Tag 144

Gegen 8:30 Uhr fuhren Lucky und ich los, um Sina, eine ehemalige Freiwillige, vom Flughafen abzuholen. Wir gabelten noch einen Freund von Lucky auf, den ich schon beim Zulu-tanzen an meinem ersten Montag in Südafrika kennen gelernt hatte. Auf dem Weg nach Durban fuhren wir noch zu ein paar Farmen und sammelten ein paar Spenden in Form von Gemüse ein.
Um 12 Uhr standen wir vor dem Flughafen, als Lucky von Sina angerufen wurde. Sie sagte ihm, dass sie noch in Johannesburg sei und den nächsten Flug nimmt. Dieser würde gegen 13:20 ankommen. So suchten wir uns einen Parkplatz und verbrachten die Wartezeit damit, uns den Flughafen inklusive Läden anzusehen.
Als dann Sina ankam, war ihr Koffer nicht da. Der würde angeblich im nächsten Flieger dabei sein und so warteten wir noch eine halbe Stunde, um zu sehen, ob es der Wahrheit entspricht. Als dann der dritte Flieger gegen 14:00 Uhr ankam und es sich gegen 14:20 Uhr heraus stellte, dass auch da der Koffer nicht dabei war, fuhren wir zurück nach Richmond. Der Koffer wurde dann von der Fluggesellschaft zum Projekt gesendet.

Fr. 15. Feb. Tag 146

Ich habe zusammen mit dem Gärtner des Projektes die Beete vor dem Projekt wieder hergerichtet, da diese etwas verwildert waren.

Sa. 16. Feb. Tag 147

An dem Tag waren Tanja und ich wieder beim Butterfly Projekt tätig. Tanja hat bei der Selbstverteidigung geholfen und ich habe draußen in der Kälte Schwimmunterricht mit Inka gegeben. Nach den Kursen gab es Mittagessen für alle und dann war es am frühen Nachmittag auch schon wieder vorbei.

So. 24. Feb. Tag 155

Es gab Stromausfall von 6 bis 19 Uhr. Wir wurden aber glücklicherweise am Tag vorher von Bev vorgewarnt.

Di. 26. Feb. Tag 157

P1040116Gegen 18 Uhr fuhren wir mit Luckys Familie nach Durban. Dort gingen wir mit Cweeril, dem Chef des eSimphiwe Außenposten in Durban, zusammen essen, bevor er Tanja und mir unsere Zimmer in dem Projekt zeigte, wo wir eine Nacht bleiben würden. Tanja und ich hatten nämlich ein Seminar in Oudtshoorn ab dem 28. Februar und am nächsten Tag ging unser Bus von Durban den ganzen weiten Weg nach George.

Mi. 27. Feb. Tag 158

An der Busstation trafen wir noch 2 andere Freiwillige vom IB, mit denen wir uns vorher abgesprochen hatten. So war unsere gemeinsame Abfahrt um 6:40 Uhr.

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Do. 28. Feb. Tag 159

Wir sind bis 2:30 Uhr Bus gefahren. Danach wurden wir von einem sehr netten Mann in George abgeholt und zum Resort in der Nähe von Oudtshoorn gebracht. Dort trafen wir morgens gegen 4:20 Uhr ein. Wir schliefen bis kurz vor 8, als uns ein Bediensteter des Resorts weckte und zum Frühstück fuhr. Ja, fuhr! So groß ist das Resort!
Den Rest des Tages kümmerten wir uns um unsere Präsentationen, die wir für das Seminar vorbereiten sollten und schauten uns Filme an und spielten ein Kartenspiel.

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3 Kommentare zu Abschied als Sotho mit dem Namen „Vusumusi“, ehemalige Freiwillige zu Besuch und Fahrt zum Seminar – der Februar

  1. Thorsten sagt:

    Ein wirklich interessant geschriebener Reisebericht.
    Wie lange waren Sie dort?

    • Christian sagt:

      Danke sehr! Es freut mich zu hören, dass Ihnen mein Schreibstil gefällt!
      In der ländlichen Gegend (Mangoloaneng, Mount Flecher, Eastern Cape, South Africa) war ich nur für 2 Wochen. Danach habe ich weiterhin in meinem Hauptprojekt eSimphiwe gearbeitet. Dort bin ich noch immer tätig, werde allerdings schon nächste Woche zurück nach Deutschland fliegen.

  2. Michael sagt:

    Super Interresant.
    Danke für den tolen Bericht

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